Chemiepark Marl
28. November 2018

Der kurze Weg der letzten Kohle

Der letzte Zug mit Steinkohle aus der Produktion des Bergwerkes Prosper Haniel hat am Dienstag, den 27. November, um 16.49 Uhr den Chemiepark Marl erreicht.

Damit endet auch am Chemiestandort eine Ära: Die in den Kohlekraftwerken im Chemiepark insgesamt eingesetzten 66,5 Mio. Tonnen deutsche Kohle hätten ausgereicht, um die Stadt Berlin mehr als 14 Jahre komplett mit Strom zu versorgen. Die seit 1940 bezogene Menge entspricht einem Würfel mit 400 Meter Kantenlänge bei einer Dichte von einer Tonne je Kubikmeter.

Derzeit ist im Chemiepark noch ein Kohlekraftwerk mit zwei Blöcken in Betrieb, in denen rund 580t/h Dampf (der Hauptenergieträger in der chemischen Industrie) und 120 MW Strom netto erzeugt und in die Netze eingespeist werden. Das erfordert 2.200t Steinkohlen täglich, wovon zuletzt noch rund die Hälfte aus heimischer Förderung aus dem letzten Bergwerk Prosper Haniel stammten. Diese legten die 27 Kilometer Schienenstrecke in jeweils rund 300 Meter langen Ganzzügen zurück. Im Laufe der Zeit summierten sich diese Ganzzüge auf rund 1.100.000 Waggons, die hintereinander gestellt von Marl einmal bis Peking und wieder zurück gereicht hätten.

„Wir werden die Prosper-Kohle sehr vermissen, weil wir diese Mengen jetzt durch Lieferungen aus dem Ausland ersetzen müssen. Das bedeutet für uns bei der Logistik und in der Bekohlung einen erheblichen Aufwand“, erläutert Matthias Funke, Betriebsleiter der Bekohlung. Vor dem Hintergrund der Kohleeinsatzgrenzen haben die Experten vom Brennstoffeinkauf im Chemiepark in den letzten Jahren gemeinsam mit den Kollegen des Kraftwerkes I zudem sichergestellt, dass auch in Zukunft ausreichende Importkohlemengen in den erforderlichen Qualitäten zur Verfügung stehen.

Der Standort des heutigen Chemiepark Marl war vor 80 Jahren bewusst neben einem Bergwerk errichtet worden, weil das zur Herstellung von Buna eingesetzte Lichtbogenverfahren besonders viel Energie benötigte – die damals nur Kohlekraftwerke liefern konnten. Die damalige Bergwerksgesellschaft „Hibernia“ war zudem mit 26 Prozent am neuen Standort beteiligt.