"Zukunftsmodell Chemiepark"

Marl. Am 11. November besuchte Garrelt Duin, Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen, den Chemiepark. Begleitet wurde er von Thomas Wessel, Personalvorstand und Arbeitsdirektor von Evonik, und Ralf Hermann, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates von Evonik.

Standortleiter Prof. Dr. Walter Tötsch stellte den Chemiepark Marl vor und erläuterte die Verbundstruktur. „Der Chemiepark ist ein wichtiges Glied in einer langen Wertschöpfungskette“, erklärte Tötsch. So werden zum Beispiel aus der Raffinerie von BP in Gelsenkirchen wertvolle Petrochemikalien wie Ethylen und Propylen, Basis für Kunststoffprodukte oder Lacke, über Pipelines zum Chemiepark transportiert und hier von Evonik weiterverarbeitet. Evonik wiederum liefert über eine Rohrleitung Cumol, ein Zwischenprodukt zur Herstellung von Phenol und Aceton, an INEOS Phenol in Gladbeck.

Alle Standorte stehen im Stoffverbund Scholven-Marl-Gladbeck-Herne und bauen aufeinander auf.

Minister Duin stellte heraus: „Die Chemie in NRW ist mit einem Umsatzanteil von einem Drittel das Rückgrat der Branche in Deutschland. Chemieparks wie Marl sind für die Industrie von herausragender Bedeutung: Im Verbund werden Innovationen angestoßen, die den Standort stärken und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen erhöhen. Deshalb sind Chemieparks für mich ein Zukunftsmodell.“

Ein Schwerpunkt des Besuchs war das Thema Energiepolitik. Thomas Wessel betonte: „Chemiestandorte sind Partner und Mitgestalter der Energiewende. Ihre Verbundstrukturen dienen als Energieplattform für miteinander verzahnte Energie- und Produktmärkte. Deshalb sind verlässliche Rahmenbedingungen durch die Politik von essenzieller Bedeutung.“

„Die Anforderungen der Energiewende mit der Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Chemieparks Marl zu vereinen, ist die Herausforderung der Zukunft“, ergänzte Andreas Steidle, Leiter Energiewirtschaft von Evonik. „Eine vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien ist jedoch nicht so ohne Weiteres möglich.“

Der jährliche Strombedarf des Chemieparks liegt bei 2,3 Mrd. kWh, das entspricht dem Bedarf von 500.000 Haushalten. Um diesen Strombedarf aus erneuerbaren Energien zu decken, bräuchte man rechnerisch 400 Windräder oder 2.000 ha Photovoltaikanlagen, was der dreifachen Fläche des Chemieparks entspräche.

Mindestens genauso essenziell wie Strom ist für die Chemieproduktion der Energieträger Dampf. 6,5 Millionen Tonnen benötigt der Chemiepark Marl jährlich. Das entspricht dem Wärmeinhalt von einer Milliarde Badewannen. Zur Erzeugung des Dampfes aus Biomasse bräuchte man pro Jahr drei Mio. Tonnen Holz, wofür wiederum 50 Prozent der Waldfläche NRWs eingesetzt werden müsste.

Hinzu kommen die sehr hohen Anforderungen an die kontinuierliche Versorgungssicherheit sowie die gesetzlichen und marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. „Das Zauberwort heißt hier ‚maximale Flexibilität‘“, erläuterte Steidle. „Darum hat sich Evonik entschlossen, ein altes Kohlekraftwerk abzuschalten und ein modernes Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (GuD) zu bauen.“ Das neue Kraftwerk, das Anfang 2016 in Betrieb gehen soll, ermöglicht eine flexiblere Fahrweise im Vergleich zu den vorhandenen Kohleblöcken.

Neben dem GuD-Kraftwerk war die Acrylsäure-Anlage ein Programmpunkt der Standortbesichtigung. Hier erhielten die Besucher einen Einblick in eine moderne Prozessleitwarte und den Produktionsprozess. Acrylsäure wird zur Herstellung von Superabsorbern benötigt. Dieser Kunststoff kann ein Vielfaches seines Eigengewichtes an Flüssigkeit aufsaugen und findet zum Beispiel Anwendung in Babywindeln.

Am Ende des Besuchs bedankte sich Minister Duin ganz herzlich für die Einladung und die gewonnenen Eindrücke. „Der Dialog mit politischen Entscheidern ist uns ein wichtiges Anliegen. Wir freuen uns über das Interesse und die Möglichkeit zum Austausch“, betonte Wessel.

 Dr. Jürgen Mosler, Leiter Technik Acrylic Monomers, Marl, Garrelt Duin, Thomas Wessel,und Ralf Hermann (von links) in der Acrylsäureanlage.

Dr. Jürgen Mosler, Leiter Technik Acrylic Monomers, Marl, Garrelt Duin, Thomas Wessel,und Ralf Hermann (von links) in der Acrylsäureanlage.

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