Vom Nahen Osten in den tiefen Westen

Marl, 15. März 2016. Die hochmoderne Halle in der technischen Ausbildung von Evonik bietet im Chemiepark für jeden Besucher spannende Facetten. Es wird geschweißt und zerspant, wohin das Auge blickt. Gebannt schaut sich eine Gruppe, die man leicht an ihren gelben Besucherhelmen erkennt, in der Halle um. Für die zwölf jungen Menschen aus Syrien und dem Iran ist der Kontrast zu ihrer Heimat im Nahen Osten gewaltig, denn sie alle mussten vor Krieg und Zerstörung fliehen.

Dietmar Lutzny ermöglicht Flüchtlingen solche Besuche. Der Diplom-Ökonom kann als Mitglied der Gesellschaft der Freunde der Fernuniversität Hagen auf ein großes Netzwerk zurückgreifen und gibt Neuankömmlingen in Deutschland die Chance, Firmen und Hochschulen kennenzulernen. Die schnelle gesellschaftliche Integration steht dabei besonders im Fokus.

„Wir gewähren unseren Gästen interessante Einblicke in verschiedene Teile der technischen Grundausbildung“, erklärt Dieter Franke aus dem Bereich Standortkommunikation, der die kleine Gruppe durch die Ausbildungshalle führt. So geht es immer dem einen weißen Helm nach.

An jeder Station folgt eine kurze Erklärung. Da stört es auch nicht weiter, dass der Großteil der kleinen Gruppe bisher nur deutsche Wortschnipsel beherrscht. Voller Begeisterung übersetzt die zwölfjährige Sedory Kacho die wichtigsten Informationen ins Arabische.

Premiere im Chemiepark: Erstmals besuchte eine Flüchtlingsgruppe den Standort. Geführt wurden die jungen Menschen von Dieter Franke (2. von links) und Dietmar Lutzny (2. von rechts).

Premiere im Chemiepark: Erstmals besuchte eine Flüchtlingsgruppe den Standort. Geführt wurden die jungen Menschen von Dieter Franke (2. von links) und Dietmar Lutzny (2. von rechts).

„Die Kriegsflüchtlinge verdienen unsere Unterstützung“, betont Dietmar Lutzny. „Es geht darum, den Menschen Perspektiven aufzuzeigen und eine schnelle Integration zu ermöglichen. Um eine neue Sprache schneller zu erlernen, muss man unter Leute kommen.“

Für Lutzny ist die Flüchtlingsthematik auch eine persönliche Angelegenheit. Die Eltern des 71-Jährigen waren selbst als Flüchtlinge aus Schlesien nach Deutschland gekommen.

Im Anschluss an den Rundgang durch die Ausbildungsstätte nebst einem gemeinsamen Erinnerungsfoto ging es für die Flüchtlingsdelegation mit dem Bus weiter durch das Geflecht aus Rohren und Leitungen. Auf der Chemiepark-Tour entdeckte die Gruppe auch andere Kernbereiche des Standortes Marl.

Und wer weiß, ob nicht einer dieser jungen Menschen bald mit seinem eigenen Fahrrad durch die Werksstraßen fährt.

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Volker Hilbt

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