Chemiepark Marl
24. Juli 2020

Abschlussprüfungen in Corona-Zeiten

Weniger Zeit an den betrieblichen Ausbildungsplätzen, geschlossene Berufsschulen, veränderte Prüfungsbedingungen: Für die Auszubildenden ist der Weg durch die Corona-Krise schwierig.

Freut sich riesig über die bestandene Prüfung: Marius Otto, frisch gebackener Anlagenmechaniker.

Doch nicht alles sieht schlecht aus. Denn alle Azubis legen trotz der Widrigkeiten ihre Prüfungen ab, und das voll im Zeitplan.

Dass es mit seiner Ausbildung mal so zu Ende geht, hätte Marius Otto sich noch vor ein paar Monaten nicht ausmalen können. Doch dann kam das Coronavirus und plötzlich war alles anders. Nicht nur für normale Schüler - auch für ihn und etwa 300.000 Auszubildende in NRW. Vor besondere Herausforderungen stellt Corona nicht nur Schülerinnen und Schüler, die im Abitur stecken, sondern auch Auszubildende, die eigentlich fast fertig mit der Ausbildung sind.

Marius Otto macht eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker bei Evonik im Chemiepark Marl. Er ist im letzten Ausbildungsjahr, steht kurz vor der mündlichen Abschlussprüfung. Und das Problem: Die Berufsschulen in NRW sind geschlossen. Kein Unterricht. Wochenlang.

Die Vorbereitung auf die Prüfung verlief schwierig

Wie bereitet man sich trotzdem gut auf eine so wichtige Prüfung vor? "Das ist schon wirklich anders als vor Corona", sagt Marius Otto. Die Berufsschullehrer schickten Aufgaben per
E-Mail. Außerdem bekamen die Azubis über Ihre Betreuungsausbilder Arbeitspakete nach Hause und es fand digitaler Unterricht über Microsoft Teams statt. Geholfen haben auch alte Prüfungsfragen und über die Evonik-Mediathek konnte Unterricht digital ergänzt werden.

Ein mulmiges Gefühl blieb dennoch: „Es ist eben etwas anderes, ob man allein Zuhause lernt oder in der Schule und im Werksunterricht unterrichtet wird, Fragen stellen kann und sich gemeinsam mit den Azubi-Kollegen vorbereitet und vor allem auch ein Feedback zum Lernstand bekommt. Zum Glück hatten wir immer Ansprechpartner und fühlten uns nie allein gelassen“, so der fast fertige Anlagenmechaniker.

Neue Lösungen mussten her

Auch für Heiko Kenkmann, Chemikanten-Ausbilder im Chemiepark Marl, war es eine herausfordernde Zeit. „Durch Corona haben wir kaum externe Prüfer zulassen können. Zum einen wegen der Reisetätigkeiten, hier hatten wir keine andere Wahl als diese auf ein Minimum zu reduzieren, aber auch weil einige Prüfer zur Risikogruppe gehören. Da mussten neue Lösungen her“. Und sie wurden gefunden: Es wurde in Kleingruppen mit großen Abständen unter Einhaltung aller Hygienemaßnahmen geprüft. Was dazu geführt hat, dass das Team der Ausbildung nicht nur personell, sondern auch räumlich an seine Kapazitätsgrenze gestoßen ist. Gerade die um einen Monat verschobenen Theorieprüfungen stellten die Ausbildung logistisch vor große Herausforderungen.

Auch für die bestehenden Ausbildungsverträge und zukünftigen Arbeitsverträge war es sehr wichtig, dass die Prüfungen in der vorgegebenen Zeit absolviert werden konnten. „Wir haben es geschafft, dass keine Verträge verlängert werden mussten.“ Dass alles so gut geklappt hat, ist nicht zuletzt auch den Auszubildenden zu verdanken. „Sie haben sich vorbildlich verhalten, da ziehe ich meinen Hut! Alle Maßnahmen wurden bis ins kleinste Detail selbstständig beachtet und die Motivation war trotz der widrigen Umstände hoch“, so der stolze Ausbilder.

Neben dem Prüfungsgeschäft in der dualen Ausbildung fanden in den letzten Wochen auch Weiterbildungsprüfung statt. Mitarbeiter des Unternehmens, die in den letzten Jahren parallel zur Berufstätigkeit eine Weiterbildung absolvierten, drohten an der ablaufenden Regelzeit für Bachelor- oder Masterarbeiten zu scheitern. Eine Verlängerung der Maßnahmen ist nach Anmeldung nur in extremen Ausnahmefällen möglich. Die Folge wäre ein kompletter Neustart gewesen. Auch hier haben alle Beteiligten – Hochschule, Prüfungsamt und die Verantwortlichen im Unternehmen – sehr flexibel reagiert.

Rückblickend haben alle, Auszubildende und Studierende, Prüfer und Fachabteilungen sowie die Kammern und Hochschulen einen wirklich guten Job gemacht – die Versorgung mit Fachkräften wird nicht leiden, auch nicht in Zeiten von Corona.